*Achselzuck*

Sechshundertachzigtausend. So viele „bekannte oder mutmaßliche Terroristen“ stehen auf der brandaktuellen Liste der amerikanischen Terror Screening Database. 62.794 von ihnen sind Taliban, 21.913 bei der Hamas. Ein paar von Al-Qadia, etwa 93.000 von „anderen“ Terrorgrupen. Die Mehrheit, 280.000 Personen, sind Shruggies. ¯_(ツ)_/¯

Schulterzucken. Denn zu welcher Terrororganisation die 280.000 Personen gehören, kann niemand so genau erklären, auch nicht The Intercept, der die Dokumente geleakt hat. Also haben die Redakteure sie mit dem Shruggie-Smiley gekennzeichnet. Elf Striche Gleichgültigkeit. Who gives a fuck. Der Shruggie ist der Clint Eastwood unter den Emoticons. Die einen sind verzaubert von seiner Zen-gleichen Ausstrahlung, die anderen sehen in ihm den Sisyphos der Tamagotchi-Generation.

„No recognized terrorist group affiliation“ – Dem Shruggie ist es schnuppe
Screenshot: der Freitag, Quelle: The Intercept

Ursprünglich kommt der Shruggie aus Japan. Kaomoji heißen die kleinen Männchen da, und es gibt hunderte von ihnen. Da kann man als westlicher Nutzer nur betreten zu Boden schauen. Im heimischen ASCII-Universum stößt ein zwinkernder Kusssmiley schon an die Grenze des Möglichen, in Japan können die Zeichentiere nicht nur Schulterzucken, sondern auch einen Tisch umschmeißen (╯°□°)╯︵ ┻━┻ und sich selbst in den Kopf schießen y=ー( ゚д゚)・∵.

Der Shruggie sieht vielleicht putzig aus, aber seine Macht ist gigantisch. Mit seiner betont unbeeindruckten Haltung, hat er das Potential, die Politik zu verändern. Anstatt seitenlange, todlangweilige Erklärungen zu veröffentlichen, könnte man auch einfach auf den Shruggie zurückgreifen – der kommt oft genug mit weniger Aufwand zum gleichen Ergebnis. Bei der Papierersparnis könnte man den Regenwald mit links retten, und sich ganz nebenbei noch eine Menge Ärger ersparen.

Abhör-Skandal? Shruggie. Freihandelsabkommen? Shruggie. Angela Merkels recyceltes Kleid bei den Salzburger Festspielen? Genau. Wie viel Stress wäre Roland Pofalla erspart geblieben, wenn er, statt die NSA-Affähre für beendet zu erklären, einfach geshrugged hätte. Elf Stiche, die das gesamte Empörungspotential bündeln und im Binärcode verschwinden lassen.

Wie gut oder schlecht so ein Kaomoji ist, hängt übrigens davon ab, wie Kawaii er ist. Kawaii ist alles, was klein, kindlich und irgendwie niedlich ist, und die Bandbreite reicht von Monchichi bis Hello Kitty. Das wäre doch auch eine tolle Idee für Whistleblower. Einfach alle hochbrisanten Daten auf supersüßes Diddl-Papier zu kritzeln. Die breite Aufmerksamkeit wäre ihnen sicher, oder? ¯_(ツ)_/¯

Zuerst erschienen auf Freitag.de

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