H wie Halden

„Es war, als hätt’ der Himmel die Erde still geküsst“ schrieb Joseph von Eichendorff schon 1837, als er im Süden Gelsenkirchens mit einer Mantaplatte auf der Hand über sein Leben sinnierte. Auch wenn es Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Bergehalden gegeben haben dürfte – die aufgeschütteten Gesteinsberge gehören zum Ruhrgebiet wie Kniften und Henkelmänner. Die ersten großen Halden entstanden in den 1940er Jahren, um das unbrauchbare Gestein aus den Zechen loszuwerden. Heute hat beinahe jede Kleinstadt ihren eigenen begrünten Abfallberg. Über aufgetürmten Schnickschnack wie in Berlin kann ein echter Kumpel nur müde lächeln. Verglichen mit einer ordentlichen Bergehalde wirken die Pyramiden von Giseh wie ein Trümmerhaufen; neben der Sophienhöhe bei Jülich ist der Tafelberg ein unförmiger Klumpen Tuffstein. Inzwischen gilt es als gesichert, dass Goethe in Iphigenie nicht etwa den Hain vor Dianas Tempel, sondern die dicht belaubte Halde Franz Haniel bei Bottrop meinte. Trotzdem üben sich die Bewohner des besten Orts der Welt in Bescheidenheit: Die größte Aufschüttung nahe meinem Heimatdorf wird ganz unspektakulär „Bergkamener Alpen“ genannt, und wer im Stau am Kamener Kreuz langsam die Nerven verliert, sollte vielleicht dort abfahren und eine Runde wandern gehen. (freitag.de)

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