Bloghaus, Band 248

Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, brachte er den Ureinwohnern Messingglöckchen und bunte Mützen. Wenn heute eine westdeutsche Reisegruppe Berlin entdeckt, fährt sie mit dem Bierbike das Reichstagsufer entlang, ruft „Ker watt schön“ und nötigt den Fahrer, „mal was von Olaf Henning“ zu spielen. Bierbikes sind fahrbare Mobiltresen, eine verkümmerte Kreuzung aus Hawaiibar und Dorfkneipe. Sie verstoßen vielleicht nicht gegen die StVo, dafür aber gegen sämtliche Regeln des Anstands.

Wem das egal ist, dem bietet das Bierbike viele Vorteile: Mit zwei Promille spart man sich die leidigen Gespräche mit Touristenführern, Einheimischen oder Polizisten, kann vom Sitz aus in die Spree pinkeln und kommt in den Genuss von (mindestens) zwei Fernsehtürmen. Tipp an die Veranstalter: Wenn so viel getrunken wird, dass sich am nächsten Tag niemand mehr an die Tour erinnern kann, ist die Chance groß, dass abends wieder dieselbe Gruppe auf dem Rad sitzt. Kundenbindung und so.

Aus: Der Freitag 19/17

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